Man könnte versucht sein, zu sagen:
Danke, Jens Spahn!
Dafür, dass er unbeabsichtigt die sehr wichtige politische Fragen der Leihmutterschaft wieder ins Blickfeld der gesellschaftlichen Debatte gerückt hat.
Denn es greift definitiv zu kurz, wenn man – wie CDU/CSU – allein auf ein vermeintlich „christliches“, sehr konservatives Familienbild verweist, um Leihmutterschaft abzulehnen. Ungewollt kinderlosen Paaren ein mögliches Familienglück zu verwehren oder Frauen zu verbieten, andere Paare durch das Austragen ihres Babys glücklich zu machen, kann man nicht damit begründen, dass es schwierig ist, gerechte und notwendige Regelungen hierfür zu schaffen.
Natürlich gibt es eine Menge Fragen, die zu beantworten sind:
- Welche wirksamen Schutzmechanismen gegen die Ausbeutung von Frauen als Leihmütter müssten zwingend eingerichtet werden?
- Was unterscheidet Leihmutterschaft von anderen Formen der „Vermarktung des eigenen Körpers“ – von Prostitution genauso wie von herkömmlicher körperlicher Arbeit? Was ist dabei vergleichbar, wo sind grundsätzliche Unterschiede?
- Was ist mit dem Selbstbestimmungsrecht von Frauen, das gerade in der Abtreibungsdebatte eine so große Rolle spielt („Mein Bauch gehört mir!“) – gilt das nicht auch für potenzielle Leihmütter?
- Und wollen oder müssen wir eigentlich einen „Reproduktionstourismus“ in andere Länder verhindern? Oder würden wir mit so einem Verbot sogar eine wirtschaftliche Entwicklung in ärmeren Ländern (mindestens in Teilen) behindern? Welche moralischen Maßstäbe wollen wir anlegen?
Das Gute ist: Jetzt wird hierüber wieder geredet. Und die SPD sollte gerade in ihrem aktuellen Prozess zur Erstellung eines neuen Grundsatzprogramms laut mitreden und sehr deutlich Position beziehen.